Die Rettung der Innenstadt: Die notwendige Kooperation von Stadtmarketing & Stadtentwicklung

Die Rettung der Innenstadt: Die notwendige Kooperation von Stadtmarketing & Stadtentwicklung
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Innenstädte haben es derzeit nicht leicht. Gesamtgesellschaftliche Megatrends wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Konnektivität und die Verstädterung erzeugen zusammen mit Post-Pandemie, Energiekrise und Ukrainekrieg einen Leidensdruck auf unsere Stadtzentren, der Stadtverwaltung und Einzelhandel gleichermaßen nach der ultimativen Allheillösung suchen lässt.

Schon wieder ein Kaufhaus weniger in der City - und auf der anderen Seite meldet die Filiale eines großen Textilunternehmens Insolvenz an. Wir sind in einer Zeit angekommen, in der über den Einzelhandel als dominierender Attraktivitäts-Anker der Innenstädte nachgedacht werden muss. Diese Relevanz hat er nämlich verloren. Eine Kompensation dafür kann aber nur mittel- und langfristig gesucht und gefunden werden. Für eine kurzweilige Erholung von diesen innerstädtischen Sorgen wäre mit bürgernahen Aktionen, Veranstaltungen und kurzweiligen Kampagnen eigentlich das Stadtmarketing zuständig. Da diese Abteilungen innerhalb der Stadtverwaltungen mit chronisch erschöpften Budgets und einer Zunahme vielfältiger Aufgaben kämpfen, bleibt auch das oft ein schwieriges Unterfangen.

Kompetenzen innerhalb der Verwaltung neu aufstellen

Vor dem Hintergrund dieser tiefgreifenden Problemlagen in den Innenstädten sollte in den Stadtverwaltungen über einen Paradigmenwechsel nachgedacht werden. Denn das Problem der Innenstädte ist ein strukturelles Problem - ein lang eingewirktes, verschärft und durch temporäre Faktoren zum Auslösen gebracht.

Das erfordert auch die Kompetenzen der Stadtentwicklungs- und Planungsämter in den Rathäusern. Warum? Sie urteilen und lösen nach demografischen, infrastrukturellen und städtebaulichen Entwicklungen. Sie haben einen anderen Zugang zur Problemsituation, bedingt durch die planerisch umfangreicheren Prozessabläufe einen längeren Atem - und genießen manchmal auch einen anderen politischen Zuspruch, was zu einem besser ausgestatteten Etat führt.

Das Stadtmarketing hingegen kümmert sich um die Softskills der Cities, wirft keinen Blick auf raumplanerische Prozesse, aber dafür auf das Regionalmarketing, bezieht die aktuelle Stimmung der Bürgerinnen und Bürger mit ein, hat Zugriff auf Veranstaltungen, das Wording und den Auftritt der Verwaltung. Es ist vielleicht ein bisschen wie Herz (Stadtmarketing) und Ratio (Stadtentwicklung), wie Emotion und Vernunft. Beides gehört aber zusammen und hat in der Kombination die stärkste Einwirkungskraft auf eine Besserung der Attraktivität der Innenstädte.

Organisatorisch ist das allerdings in vielen Kommunen noch nicht angekommen. Viel zu oft wird nebeneinander agiert und nur bei temporären Projekten an einem Tisch gesessen. Wenn man Glück hat, tauschen sich Fachbereichsleitungen bzw. Dezernate im Verwaltungsvorstand interdisziplinär aus.

Ein Plädoyer für eine engere Zusammenarbeit von Stadtmarketing und Stadtentwicklung

Die Kompetenzen des Stadtmarketings sollten aber auch auf die räumliche Entwicklung einzahlen. In manchen Städten wie bspw. Münster ist das bereits organisatorisch verankert und damit auf eine effiziente Zusammenarbeit ausgerichtet: Dort ist die Abteilung "Münster Marketing" dem Planungs- Bau und Wirtschaftsdezernat unterstellt. In manchen Kommunen undenkbar, da man intern in der Sorge lebt, dem Stadtoberhaupt damit den direkten Zugriff auf seine eigene Eingreiftruppe zu erschweren. Das stellt sich aber oft als unbegründete Sorge heraus.

Wenn Politik und Gesellschaft sich also weiter fragend anschauen, weiter hektisch in verschiedene Richtungen diskutiert wird, die universelle Lösung nur eine langfristig angesetzte Lösung sein kann, dann ist die Zeit auch für Stadtverwaltungen angebrochen, ein Blick auf die Struktur und Kompetenz der eigenen Fachämter zu werfen und hier die Tische und Stühle von zwei starken Kompetenzfeldern zusammenzurücken. Zumal seit einigen Jahren sowieso ein deutlicher Trend zu erkennen ist, der auch eine direktere und effektivere Zusammenarbeit ermöglicht hat: Die Wiedereingliederung der Stadtmarketing GmbHs und Vereine zurück in die Stadt- und Gemeindeverwaltungen.