Subkultur - ein Indikator anziehender und attraktiver Städte?
Dieser Beitrag ist ein Versuch, verständlich und greifbar zu machen, was potentielle Zuzügler von Städten - damit auch die allseits beliebte Zielgruppe der jungen Fachkräfte und Familien - nicht in Worte fassen können, wenn sie ausdrücken wollen, warum diese oder jene Stadt für sie attraktiv oder eben nicht attraktiv ist. Eine nicht konservative und ganzheitliche Betrachtung ohne Zahlen und Statistik. Let's go.
Einwohner mit Eigenarten
Zur Einordnung: Was überhaupt ist Subkultur? Sie bezeichnet die sozialen, kulturellen [...] Eigenarten bestimmter gesellschaftlicher (Sub- oder Teil-)Gruppen, wie sie je nach Geschlechts-, Alters-, Berufs-, ethnischer, religiöser oder sozialer Zugehörigkeit gesucht werden. Die Ausbildung von neuen [...] Subkulturen ist charakteristisch für moderne pluralistische Gesellschaften. So definiert die bundeszentrale für politische Bildung Subkultur.
Wenn wir uns nun einmal deutlich machen, was hiermit zusammenhängt und was es braucht, das Menschen ihre Eigenarten - das Bürgerinnen und Bürger einer Stadt - ihre Eigenarten zeigen und leben; dann führt uns das schnell zu dem Wort Wohlfühlen und Toleranz. Eine Stadt wirkt demnach auf Menschen attraktiv und anziehend, weil sie Selbstverwirklichung durch Toleranz ermöglicht und ausstrahlt. Eine gesellschaftliche Gruppe, die sich derart in einem Stadtbild formiert, tut dies also, weil ihr der Platz zum Ausleben indirekt angeboten wird. Es wird ihr ermöglicht, sich als Subkultur, als Trend oder als Alternative, als Nische wahrzunehmen. Das ist ganz eng mit dem Begriff Freiheit und Individualität verknüpft.
Vom Kölner Jazz-Liebhaber bis zum Poetrie-Slammer in Paderborn
Was sind konkrete Beispiele von Subkultur? Zunächst kann festgestellt werden, dass wir dahingehend auch von Jugendkultur sprechen können. Denn Subkultur entsteht am häufigsten durch das Einwirken von Menschen, die sich in der ersten Lebenshälfte befinden; sie tragen im wesentlichen dazu bei, der Subkultur den sozialen, psychologischen und kreativen Input einzupflanzen. Eine Wortwolke und damit hier Menschengruppen die stellvertretend für Subkulturen stehen können, sind beispielsweise Punks, Rocker, Alternative im allgemeinen, Gothics, Menschen die Techno bzw. elektronische Musik mögen, die Travestie, Autotuner und Besitzer dieser Autos, oder Poetrie-Slammer und ihr Publikum. Damit sei nur ein kleiner Ausschnitt zur Veranschaulichung erwähnt. Zwischen den Subkulturen gibt es Übergänge, Vermischungen, Graduierungen. Nicht zu vergessen, die Gruppe der Studenten, die integrativ mit und in diese Subkulturen einwirkt und aus mancher Perspektive auch als eigene Subkultur verstanden werden könnte.
In einer Stadt wie Köln kann Subkultur die letzte Ansammlung von Jazz-Kneipen sein, die von eben diesen Jazz-Liebhabern besucht werden. Selbst ein Großteil der Kölner weiß nicht um diese Kneipen. In einer ostwestfälischen Stadt wie Paderborn ist die Poetrie-Slam-Szene, die sich in einer Eckkneipe trifft, ein gutes Beispiel für Subkultur-generierende Orte.
Subkultur als Anziehungskraft
Städte, die wenig oder gar keine Subkulturen aufbringen, werden von Menschen, die eher der Gruppe der jungen Fachkräfte oder jungen Familien zugeordnet werden, tendenziell als trist, konservativ oder provinziell beschrieben. Hierbei sollte erwähnt werden - um die These einmal weiter zu skizzieren, dass diese Gruppe der jungen Fachkräfte oder Familien nicht unbedingt einer Subkultur angehören muss - trotzdem - wenn auch aus einer unbewussten Intention heraus - nutzen Menschen des Öfteren das Vorhandensein von Subkultur als "gefühlten Indikator". Als zugespitztes stark überzeichnetes Beispiel könnte hier das von jungen Zuzüglern gesuchte Lebensgefühl bzw. die Anziehung einer Stadt wie Berlin genannt werden: Man braucht die subkulturell und gesellschaftlich international geprägte Substanz dieser Stadt nicht für seinen beruflichen Erfolg oder im partizipativen Sinne für sein privates Umfeld; trotzdem ist das Wissen um das Vorhandensein dieser Subkultur eine psychologisch hochattraktive Komponente, die Toleranz, Wohlfühlen, Individualität und Freiheit suggeriert.
Darum lassen sich junge Menschen oft so sehr von Städten wie Berlin, Köln oder Hamburg anziehen. Selbstverständlich gibt es noch zahlreiche andere Aspekte - die bei dieser Kurzbetrachtung aber am Rande stehen sollen.
Subkultur und Stadtmarketing?
Zugleich ist es aber auch ungemein wichtig, urbane Räume für Subkultur zu erhalten und auszubauen. Tue ich dies nicht, kann eine Stadt eine momoeske Leere aufweisen, die vor allem von außenstehenden, potentiellen Zuzüglern und Gästen wahrgenommen wird.
Das macht die Subkultur zu einem Hauptaugenmerk für das Stadtmarketing, das alles daran setzen sollte, diesen Kulturen Raum und Zeit zu geben, sich zu entwickeln.
Bei dieser Darstellung sollte nicht vergessen werden, dass es hier lediglich darum geht, Subkultur als ein Indikator zu identifizieren. Sicherlich gibt es viele andere Indikatoren, die aber keinem Lebensgefühl bzw. Eindruck zugeschrieben oder als urbanes gesellschaftspsychologisches Phänomen bezeichnet werden könnten.
Attraktive Jobmöglichkeiten, die besondere Architektur sowie Städteplanung und viele weitere Dinge beeinflussen ebenso die Attraktivität einer Stadt - aber eben doch auf eine ganz andere Art und Weise. Subkultur ist demnach ein menschenzentrierter und damit besonderer und wertvoller Indikator, der als ein psychologischer Abdruck wahrgenommen werden kann und nicht als statistische Einheit, wie die Anzahl von avantgardistischen Kommunikations- und Marketingagenturen pro Stadt, die für bestimmte Zuzüglergruppen von Interesse sein können.